Geistlicher Impuls am Josefstag 2014 – „flüchtig?!“

Flucht, ein Thema, das wohl so alt ist wie die Menschheitsgeschichte selbst.

Flucht, ein Thema, das wohl so alt ist wie die Menschheitsgeschichte selbst.

Wahrscheinlich ist die Flucht vor Krieg, Armut und Verfolgung auch ein Hauptgrund für die Besiedelung der Kontinente unseres Planeten (vgl. Hartlieb, Michael In: Meteorit 3/2013; BDKJ Würzburg).

Auch unser Land kennt dieses Thema gut.

So schreibt Berthold Brecht am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, als er mit seiner Familie und einigen Freunden nach Prag flüchtete:

„Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten.
Das heißt doch Auswanderer.
Aber wir Wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluß wählend ein anderes Land.
Wanderten wir doch auch nicht ein in ein Land, dort zu bleiben, womöglich für immer.
Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte.
Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns da aufnahm.
Unruhig sitzen wir so, möglichst nahe den Grenzen Wartend des Tags der Rückkehr,
jede kleinste Veränderung
Jenseits der Grenze beobachtend, jeden Ankömmling
Eifrig befragend, nichts vergessend und nichts aufgebend
Und auch verzeihend nichts, was geschah, nichts verzeihend“

(http://gabrieleweis.de/2-bldungsbits/literaturgeschichtsbits/thema-heimatverlust-exil/einzelanalysen-20jh/brecht-emigranten.htm)

Auch die Heilige Familie kannte es, auf der Flucht zu sein:

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.

(Mt 2,13-14)

Wo Waffen sprechen, wo nicht das Wohl des eigenen Volkes sondern das Streben nach Macht, Anerkennung und Reichtum Politiker antreiben, da verlassen Menschen in Angst ihr Zuhause und suchen eine Ort an dem sie ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Kinder sichern können

(vgl. Hofmann Christine In: Gemeinsame Gebetsstunde zum Weltfriedenstag 2014).
Es sind Menschen, die nicht wissen ob sie in ihrem Heimatland am nächsten Tag noch am Leben sind.
Menschen, wie Du und Ich, die lediglich in Sicherheit leben wollen.

Weltweit, so eine vorsichtige Schätzung, sind mehr als 40 Millionen Menschen auf der Flucht. 2012 kamen ca. 64.000 Asylsuchende nach Deutschland, die meisten aus Serbien, Syrien, Afghanistan und dem Irak. Insgesamt waren dabei fast alle Nationen der Welt vertreten. Bei jedem fünften Neuankömmling handelte es sich um ein Kind oder Jugendlichen unter 18 Jahren.
Wer in Deutschland Asyl sucht, der kann sich seinen Wohnort nicht aussuchen.
Wer wohin kommt, das entscheidet ein Computerprogramm.
Nach der Unterbringung in einer Erstaufnahmeeinrichtung dauert es 12 Monate, manchmal sogar 4 Jahre bis klar ist, wer Asyl erhält und wer nicht.
Mindestens 12 Monate warten, warten, warten.
71% der Anträge endeten 2012 mit einer Ablehnung des Asylantrages. Den Flüchtlingen die bleiben dürfen wird es oft so unbequem wie möglich gemacht, damit diese am Besten freiwillig zurückkehren. Sie dürfen nicht arbeiten und den Regierungsbezirk ihrer Gemeinschaftsunterkunft nur auf Antrag verlassen (vgl. Dannenhauer Eva In: Meteorit 3/2013; BDKJ Würzburg).

Persönlicher Zugang

Ich glaube viele von uns Besuchern können es sich kaum vorstellen, was es bedeutet, alles hinter sich zu lassen, nur das Nötigste mitzunehmen und in einem neuen Land, einer fremden Kultur völlig neu anzufangen. Ein Anfang der auf ein Ende hofft. Und dabei ist ungewiss, ob man jemals wieder nach Hause zurück kann.

Wir Besucher haben das Glück nicht vor Krieg oder sozialen Ungerechtigkeit auf der Flucht zu sein. Wir müssen unsere Heimat nicht verlassen.
Aber, vielleicht flüchten wir vor anderen Dingen, vor nötigen Veränderungen die anstehen, wie vielleicht dem Wechsel der Arbeitsstelle, oder wir flüchten vor einer Entschuldigung die dringend angebracht wäre.
Oder wir flüchten davor uns unserer Verantwortung für unsere Mitmenschen und unserer Umwelt zu stellen und sagen uns

„Ich alleine kann ja sowieso nichts ändern.“
Oder wir flüchten vor uns selbst, weil wir uns so stark mit äußeren Dingen ablenken, dass wir unserer inneren Stimme davon laufen.
Nehmen wir uns einen kurzen Moment um zu überlegen, wovor wir gerade vielleicht auf der Flucht sind.

Fürbitten:

(Dazwischen der Liedruf „Du sei bei uns in unserer Mitte“)

Guter Gott, wir bitten dich:

  • Für Menschen, die Hunger und Durst leiden
  • Für Fremde und Obdachlose
  • Für Bedürftige und Kranke
  • Für die Gefangenen
  • Für die Flüchtlinge überall auf ihrer Welt
  • Für alle, die Gewalt und Verletzungen erleiden
  • Für die Gefallenen und deren Hinterbliebene (vgl. Gemeinsame Gebetsstunde zum Weltfriedenstag 2014)
  • Für alle, die vor sich selbst davon laufen
  • Für alle, die nötige Entscheidungen nicht treffen können

Gemeinsames Vater uns

Hoffnungszuspruch
Abschließen möchte ich diesen Impuls mit einem Auszug aus dem Korintherbrief den Paulus an seine Gemeinde in Korinth schreibt als es dort zu Aufständen und Konflikten kam:

„Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.“
(2. Korinther 4,9–10)

Segensgebet


Quelle
Simon Becker

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